Jim Avignon – 50 shades of brown

 

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Vom 05. bis zum 25. Mai 2019 ist der Berliner Künstler Jim Avignon, mit seiner inzwischen siebten Soloshow, bei Feinkunst Krüger zu Gast. Sein großes Thema ist diesmal die Farbe Braun.

Avignon zählt zu den ungewöhnlichsten Figuren im deutschen Kunstbetrieb. Mit leuchtenden Farben, beißendem Witz und einem schwindelerregenden Output stellt er ein ums andere mal die Gesetze der Kunstwelt auf den Kopf. Er gab Popart eine neue Bedeutung, nahm mit seinen lifepaintings die Styles der Streetart vorweg und provozierte den Kunstbetrieb immer wieder mit Aktionen die den Preiskult in Frage stellten. Er ist der lebende Beweis dafür, dass man mit Humor und guten Ideen auch in einem Haifischbecken wie dem Kunstbetrieb gegen die Regeln der Karriereplanung verstoßen kann und trotzdem überlebt.

As an intellectual vibration, brown can be problem. Thats because there is so many different browns inside of brown and each one has a different IQ.  there’s the brown that should never have happened, the stupid brown, the brown that is brown with envy, then there is the „soso“ brown, the „who cares anyway“ brown, but somewhere in brown is a brown here and there that has something to say, a truly intelligent brown, a brown with some integrity, thats the kind of brown for you and me to be seen with.  
- ken nordine / the colors ( slightly modified )

Jim Avignons Ausstellung ist eine Hommage an eine Farbe, die bisher eine eher bescheidene Rolle in seinem Oeuvre gespielt hat, ist er doch vor allem für knallbunte Bilder in Technicolor bekannt.  Diesmal begibt er sich auf eine abenteuerliche Reise in the land of brown….

Die Palette eiert von sumpfigen Umbra zu keksigem Ocker bis hin zum gebrannten Siena zerstoßener Ziegelsteine. Vom Braun eines gerade ausgehobenen Erdhügels, zum Braun karamellierten Zuckers,  von Nazibraun zu Kackwurstbraun, vom Braun eines gerade noch vereitelten Sonnenbrandes,  zum Braun eines längst verblühten Blumenstraußes. 50 shades of brown.

Braun ist keine gewöhnliche Farbe,  schon eher ein Gefühl, ein Instagramfilter, der sich wie eine unvermeidliche Patina über alles legt und zwischen Nostalgie und Schmutz hin und her laviert. Gelegentlich wird Braun auch gleich selbst  zum Motiv - von brownies, zu brownstones zu Manzonis Künstlerscheiße in Dosen. Braun war sowieso schon immer eine äußerst beliebter Farbton und so findet Avignon all kind of browns bei seinem Spaziergang durch die Triftstores der Kunstgeschichte, hängt mit Courbet im Atelier ab, macht ein Selfie mit Rembrandt und schaut sich beim analytischen Kubismus ein paar Tricks ab.  

Stilvielfalt ist bei Avignon oberstes Prinzip, aber damit kommt er öfters mal an seine Grenzen, denn egal was er macht, irgendwie ist die Avignonsche Handschrift doch meistens schnell erkennbar. Deshalb wird er in letzter Zeit durchaus experimentierfreudiger ohne dabei gleich die Künstlerseele zu verramschen. Bilder auf Bastmatten und Blindenpapier, Bilder auf alten BRAVO Postern und Welt- karten und auch immer wieder mogeln sich die berüchtigten Grundrisse des Empire State Buildings als Malgrund dazwischen, die Avignon vor Jahren aus einer New Yorker Mülltonne gezogen hat. 

Böse Zungen behaupten ja, Avignons Ausstellungen sähen aus wie Gruppenausstellungen von Hobbymalern. Das nimmt er aber eher als Kompliment, er sieht sich als eine Art Lofi Update der Kunstgeschichte, dockt gerne in den unterschiedlichsten Epochen an und malt da weiter wo andere aufgehört haben. Natürlich hat eine Ausstellung zur Farbe braun im Mai ein bisschen was von bad timing, das stört Avignon aber nicht, er verspricht stattdessen,  uns den Frühling in den schönsten Brauntönen zu malen. 

Damit aber nicht genug - am 1.Mai, dem Tag der Arbeit spielt er mit seiner 1 Mann Band Neoangin und Nova Huta als Gast im Golden Pudel Club ein Potpourri seiner schönsten und schrägsten  Melodien. Avignons Shows sind opulente Happenings – Sound, Bühnenbilder, Masken und absurde Einfälle - in zwei Minuten von Party zu Krise zu Euphorie zu Wahnsinn zu Trauer zu Ciao.