Martin Nill - boys in a paysage

Vom 06.07. bis zum 26.07.2014 präsentiert der Hamburger Künstler Martin Nill in seiner dritten Einzelausstellung bei Feinkunst Krüger seine neuen, erstmals auch großformatigen Arbeiten. Nill geht in dieser Ausstellung in die Landschaft und treibt es auch in dieser bunt, dreckig, brutal und wie immer hemmungslos und ohne Rücksicht auf sich und andere zu nehmen.

Bilder der Ausstellung

Zur Ausstellung erscheint ein Art Zine im X1 Editions Verlag.

Das nillmuseum, gegründet 2004 um eine Leerstelle herum, besteht inzwischen aus einer umfassenden Sammlung von Kleinskulpturen, Dioramen, Objekten und neuerdings auch mittel- bis großformatigen Skulpturen, die jetzt erstmalig in einer Ausstellung zu sehen sind.
Die Themen des nillmuseums haben sich im Laufe der zehn Jahre seiner Existenz gewandelt: Waren zu Beginn noch Literatur und Geschichte Schwerpunkte, verlagerte sich das Interesse immer mehr in Richtung Popkultur, bis zu dem Punkt, wo das nillmuseum zu behaupten wagte: Ich bin selbst Pop!
Was Bestand hatte durch all diese Wandlungen, ist die Frage nach Erinnerung und Gedächtnis, nach den Veränderungen, die das Individuum mit dem kulturellen Input vornimmt, wie und woran es sich erinnert und wie die Äußerung von Erinnerung zu einem künstlerischen Produkt wird. Die Beobachtung dieser Prozesse ist bis heute Aufgabe des nillmuseums.
Zitat, Appropriation, Fehlleistungen in der Erinnerung bis zur bewussten Lüge oder Behauptung sind beliebte Methoden. So ist das Museum nicht nur Pop, sondern eventuell selbst nur eine Behauptung, nach dem es 2004 kurzzeitig real wurde, aber sich bald wieder in die virtuelle Welt zurückzog. Nichtsdestotrotz sind die Ausge-burten des nillmuseums Wirklichkeit.
Das nillmuseum sucht sich gerne Tummelplätze. Nachdem es sich anfangs noch mit einer Turnmatte beschied, wagte es sich zwei Jahre später in die Stadt, liebäugelte kurz mit dem Weltall und entschied sich dann für die Landschaft.
Hier beruft sich das nillmuseum auf seinen Spiritus Rector Adalbert Stifter (der nicht nur in diesem Sinne viel zur Gründung des Museums beigetragen hat): "So bin ich unversehens ein Landschaftsmaler geworden. Es ist entsetzlich. Wenn man in eine Sammlung neuer Bilder gerät, welch´eine Menge von Landschaften gibt es da; wenn man in eine Gemäldeausstellung geht, welch`eine noch größere Menge von Landschaften trifft man da an, und wenn man alle Landschaften, welche von allen Landschaftsmalern unserer Zeit gemalt werden, von solchen Landschaftsmalern die ihre Bilder verkaufen wollen, und von solchen, die ihre Bilder nicht verkaufen wollen, ausstellte, welch´allergrößte Menge von Landschaften würde man da finden! Nun, es sind der in Ölfarben gemalten und mit Goldrahmen versehenen Landschaften schon genug. Und ich will nun auch noch so viele Landschaften mit Ölfarben malen, als in mein noch übriges Leben hineingehen."
(Adalbert Stifter: Nachkommenschaften)

Hier geht es also nicht um die Auseinandersetzung des Künstlers mit der Landschaft (- dazu ist alles gesagt), sondern um einen gewissen Trotz und eine Lust, die sich gegen alle Erkenntnis Bahn bricht, um Kunst zu erzeugen, die vielleicht schon lange existiert.
Nun begibt sich das nillmuseum in die Landschaft und treibt seinen üblichen Unfug. Boys ziehen sich nackig aus, spielen Krieg oder verscharren ihre Ehefrauen. Aber es gibt inzwischen auch entspannte Figuren. Formal ist das nillmuseum interessiert an der Verbindung von Skulptur und Landschaft. Die reine Form der Skulptur wird aufgebrochen durch Malerei und große, in die Komposition eingefasste Himmel wie einst bei Thomas Gainsborough in seinen extended landscapes.
Abgerundet wird die Ausstellung zum zehnjährigen Jubiläum des nillmuseums durch eine Reihe neuer und unterhaltsamer Kleinskulpturen, Dioramen und den einen oder anderen Blick ins Archiv.

nillmuseum.de