Mario Wagner – Nur zu Besuch

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Vom 07.06. bis 28.06.2008 zeigt der Kölner Künstler Mario Wagner seine Collagen erstmals in einer Ausstellung in Hamburg.

Wagner studierte in Aachen und arbeitet heute als Künstler und Illustrator in Köln. Seine unverwechselbaren Illustrationen werden von den populärsten Magazinen wie dem Playboy oder dem New York Times Magazine in Auftrag gegeben. Wagner arbeitet analog, mit alten Illustrierten, Schere, Klebstoff und Acrylfarbe, auch in seinen bis zu 2 Meter großen, freien Arbeiten. Seine klassischen Collagen waren bereits auf verschiedenen deutschen und internationalen Ausstellungen vertreten.

Die Collagen Wagners werden von menschlichen Figuren bestimmt, welche von einer halluzinatorischen Stimmung durchdrungen sind. Sie treiben scheinbar orientierungs- und funktionslos in mechanischer Stille und Stagnation durch ihre Umgebung. Wo Optimismus einst den modernen Idealismus prägte, scheint nun Sinnlosigkeit in Form von fehlender Motivation, Trägheit und dem Zerfall der Werte hinzuzukommen.

Mario Wagner hat seinen eigenen, wenn auch unergründlichen Kosmos geschaffen, in dem immer wieder Fragmente aus der Populärkultur sowie verschiedene architektonische und industrielle Elemente auftauchen. Die zeitliche Verzerrung, signalisiert durch die Verwendung alter Magazine mit ihren Details wie Frisuren und Kleidung, entspricht einer räumlichen Trennung, wie es in unregelmäßigen Maßstabsverlagerungen und irritierenden Bruchlinien zum Ausdruck kommt.  Dabei entsteht eine Welt die nicht synchron ist, nicht ganz der Gegenwart entsprungen scheint. Figuren werden beschnitten, maskiert und in andere Räume versetzt. Es entstehen Interaktionen zwischen verschneiten Bergen und marschierenden Soldaten, zwischen roten Mündern und Filmkameras, aus denen Farbstrahlen schießen. Auch proportionale Kontraste und Unwahrscheinlichkeiten stören immer wieder das Gewohnte, wenn eine Hand mit einer Zigarette aus einem Berg herausragt, während ein Blitz in den überproportional großen Kopf einer Frau einschlägt. Immer ist es Wagners Strategie den Betrachter zunächst zu verunsichern um ihm bei näherer Betrachtung den Zugang zu einer imaginären Welt, eines künstlerischen Paralleluniversums aufzustoßen.

Auch das narrative Moment ist in hohem Maße bedeutsam. Es hat oft den Anschein als ob die Situation inne hält, einen Moment verweilt, wie in einem angehaltenen Videoclip vermeint man die Bilder vorspulen zu können und möchte der Geschichte vorgreifen. Der Gedanke einer trickfilmartigen Animierung der Figuren und Konstellationen verleiht den Szenen darüber hinaus einen sequentiellen Aspekt. Die Collagetechnik haben Wagners Bilder mit berühmten Vorbildern gemein. Genannt seien hier beispielsweise die Pop-Art-Künstler Richard Hamilton und Robert Rauschenberg, die vergleichbare, die Alltagswelt thematisierende Bilder schufen. Was Wagners Arbeiten jedoch unterscheidet und auszeichnet, ist eben jene starke Betonung des erzählenden Aspekts. In der rätselhaften Widerständigkeit dieser Geschichten sind sie vielmehr mit den Bildern der „Neuen Leipziger Schule“, allen voran denen Neo Rauchs verwandt. Auch bei Wagners geht es um diffuse Stimmungen, Gefühle der Enge und latente Sehnsucht nach Freiheit. In der Verbindung mit Elementen der Pop-Kultur entsteht jedoch eine eigenwillige und einzigartige Melange voller Humor, Geheimnis und Subtilität.