Sämtliche Schaltpläne vom Rest der Welt

 

Vom 11. September bis zum 01. Oktober 2016 zeigt der Hamburger Künstler Simon Hehemann seine neuen Arbeiten, die in einer komplexen, den Boden und die Wände einbeziehenden Installation, präsentiert werden. Hehemann arbeitet seit vielen Jahren mit der Galerie zusammen, hat weltweit ausgestellt, und ist

durch seine spektakulären Rauminstallationen vielen Kunstfreunden längst ein Begriff.

Zur Vernissage am Samstag den 10. September 2016 ab 20.00 Uhr laden wir herzlich ein.

Hehemann bewegt sich mit seinen Arbeiten frei in der Malerei, Zeichnung und Fotografie, wendet Techniken der Serialität wie Schablonenverfahren oder Frottage an, verbindet diese wiederum in Montagen und Collagen. Für die kommende Ausstellung werden neue Zeichnungen und Objektcollagen mit rauminstallativen Komponenten verknüpft. Auf der Grundlage von Schaltkreis Schemata, architektonischen Grundrisskompositionen und Kartografien werden Alltagsmomente und darüber hinausgehende Beobachtungen, im Reflektieren über verschiedene Wahrnehmungsprozesse, vom Künstler in abstrahierte Beziehung gesetzt.

Diese jüngsten Arbeiten, deren Anfänge ungefähr zwei Jahre zurück reichen, sind inspiriert aus eben jenen Grundrisskompositionen, Kartografien und schematischen Schaltkreisen. Diese Vorlagen nutzt Hehemann für seine Bildfindung, indem er die ordnungsgebenden Gesetze dieser Systeme visuell und inhaltlich transformiert. Ausgehend von den kausalen, bisweilen hoch technischen Vorlagen spinnt Hehemann subjektive Konstruktionen, innerhalb derer er den narrativen Gehalt von banalen Alltagssituationen, persönlichen Erinnerungen und für ihn existenziellen Fragestellungen untersucht. Es findet sozusagen eine Neuverschaltung der Zusammenhänge statt.

Sein besonderes Interesse gilt in Zusammenhang mit den verwendeten Vorlagen der „Vogelperspektive“ oder

der „Draufsicht“. Landkarten, Schaltkreise und Grundrisse ermöglichen uns eine externe Perspektive, einen Standort, von dem aus Orientierung oder Übersicht erst möglich werden. Das Zusammenspiel von komplexen Verhältnissen wird erst mit Hilfe einer Außenperspektive begreifbar – wie funktioniert ein Raum?

Und wie funktioniert ein Raum im Raum?

Diesen Fragestellungen möchte Hehemann in dieser Ausstellung auf den Grund gehen. Mit den Mitteln der Verfremdung, der Umformung und Neukontextualisierung möchte er gewohnte Wahrnehmungsmuster unterwandern – bis hin zu deren Auflösung.

Die Auseinandersetzung mit konkreten räumlichen Situationen, gepaart mit der inhaltlichen wie auch ästhetischen Untersuchung von Plänen, Karten und Grundrissen ist für Hehemann insbesondere deswegen interessant, weil sich ausgehend von diesem Themenkomplex gedankliche Verbindungslinien zu unserer generellen Orientierung innerhalb einer postmodernen Gegenwart ziehen lassen. Eine Gegenwart die geprägt ist von sich überlagernden Multiple-Choice-Situationen, stetig wachsender Beschleunigung und einer Gleichzeitig- keit von niemals abreißender Informationsflut. Dies lässt in uns oft den Wunsch nach einem Moment des Innehaltens, einem Moment der Orientierung mit Hilfe einer „Draufsicht“ entstehen.

Tatsache ist, dass wir diese „Draufsicht“ nie komplett erreichen können, da Lebensrealität nicht wie ein Grundriss oder ein Schaltplan beschaffen ist. Unsere Orientierung entsteht viel mehr aus der Vermischung vermeintlich objektiver Planung und subjektiver Entscheidung.